Objektive Informationen und Daten
über den Umweltzustand und die sozioökonomische Lage im Alpenraum bilden die
Entscheidungsgrundlage für geeignete politische, gesetzliche und finanzielle
Maßnahmen im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklungspolitik in den Alpen. Bei
der III. Alpenkonferenz in Chambery (Frankreich, 1994) beschlossen die
Vertragsstaaten deshalb die Errichtung eines Observatoriums für die Alpen
("Alpenbeobachtungs- und Informationssystem" ABIS). Die hierfür notwendigen
Vorarbeiten übertrugen sie einer eigens gebildeten Arbeitsgruppe.
Die Verwirklichung und
Implementierung dieses Beobachtungssystems erstreckte sich über drei Phasen.
In einer ersten Phase (1994-1996) wurde das System aufgebaut und dezentral
strukturiert. Es setzte sich aus einem Netz von Kommunikationszentren in den
einzelnen Staaten und einer überstaatlichen Koordinationseinheit (Gemeinsame
Forschungsstelle der Europäischen Union in Ispra) zusammen.
Das ABIS initiierte in dieser Phase
fünf Pilotprojekte:
-
Dokumentation von Einrichtungen,
die sich der Alpenforschung widmen;
-
Erarbeitung Indikatoren zur
Beschreibung der soziodemographischen Entwicklungen;
-
Kartographische Darstellung der
soziodemographischen Indikatoren;
-
Datenquellenkatalog;
-
Computergestütztes
Kommunikationssystem.
Aus diesen Projekten gingen eine
Reihe von Grundlagen hervor, mit deren Hilfe sich die Entwicklung des
Gesamtsystems Alpen beschreiben lassen.
In der zweiten Phase (1997-1999)
wurde die eigentliche Organisationsstruktur des ABIS aufgebaut und in drei
Ebenen gegliedert:
-
eine
strategische Ebene, gebildet vom Ständigen Ausschuss der Alpenkonvention;
-
eine leitende Ebene mit der
Arbeitsgruppe ABIS;
-
eine Vollzugsebene mit den
nationalen Kommunikationszentren und der Koordinationseinheit.
Während dieser Phase konzentrierte
die Arbeitsgruppe ABIS seine Tätigkeiten auf die Verbesserung der Kenntnisse
über den Alpenraum in Bezug auf:
Nach Abschluss der zweiten Phase
legte die Arbeitsgruppe anlässlich der 5. Alpenkonferenz in Bled, (Slowenien,
1998) einen Bericht mit kartographischer Darstellungen der demographischen
Indikatoren und eine Datenbank mit den Einrichtungen, die Forschungen in den
Alpen betreiben.
Die geringe Ausstattung der
Kommunikationszentren mit finanziellen Ressourcen und einige rechtliche Hürden
im Zusammenhang mit der Verwendung von Datenbanken nationaler
Forschungsinstitute und Organisationen durch das ABIS erschwerten die Arbeit
beträchtlich. Dadurch kam die weitere Entwicklung des
ABIS erheblich ins
Stocken. Daraufhin verlängerte die Konferenz das Mandat der Arbeitsgruppe bis
2002.
Die dritte Phase (2000-2002) war
durch die Aufgabe der Mitarbeit in der zentralen Koordinationseinheit in Ispra
gekennzeichnet. Die Europäische Kommission strich die Mittel, die für den
Betrieb der Strukturen in Ispra als Koordinationseinheit für das
ABIS
vorgesehen waren..
Die Tätigkeit der Arbeitsgruppe
konzentrierte sich hingegen auf die Entwicklung der bei der 6. Alpenkonferenz
in Luzern (Schweiz, 2000) genehmigten Projekte.
|
|
Projekt |
Leitende Delegation |
|
Umwelt |
Klimaveränderungen |
Schweiz |
|
Wasserhaushalt |
Österreich |
|
Naturgefahren |
Frankreich |
|
Artenschutz (Fauna und Flora) |
Italien |
|
Sozioökonomische Entwicklung |
Sozioökonomische Indikatoren |
Slowenien |
|
Computergestütztes Kommunikations-system |
Portal (öffentlich zugängliche Web-Seiten) |
Schweiz |
|
Alpine Catalogne of Data Sources (CDSA) und System for Information
on Alpine Research (SIRA) |
Schweiz |
|
Geographic Information System (GIS) |
Österreich |
|
ABIS-internes Informationssystem (CIRCA) |
Österreich |
|
Kartographie |
Kartierung der Schutzgebiete |
Deutschland |
|
Umwelt- und bodenkundliche Karte |
Italien |
Die obigen Ausführungen machen
deutlich, dass die Finanzierung der Maßnahmen nach wie vor das größte
Hindernis bei der Einrichtung eines Informationssystems darstellt. Das zeigt,
dass die Anstrengungen der Vertragsunterzeichner zur Unterstützung der
Projektinitiativen allein nicht ausreichend sind. Verstärkt müssen deshalb von
den Vertragsstaaten auch die Möglichkeiten alternative Finanzierungsquellen
(Akquisition von Drittmittel) zu erschließen, in Betracht gezogen werden.
Speziell für den Alpenraum stellt ein wichtiges europäisches
Finanzierungsinstrument in diesem Zusammenhang das
Regionalentwicklungsprogramm
INTERREG III B - Alpine Space.
Um überstaatliche Koordination im
ABIS zu verbessern, hat der Ständige Ausschuss für die 7. Alpenkonferenz einen
Vorschlag zur Übertragung dieser Aufgabe an das neu einzurichtende Ständige
Sekretariat ausgearbeitet.